Vorschläge für Satzungsänderungen liegen auf dem Tisch
Unsere Meinung ist jetzt in einer öffentlichen Diskussion gefragt
m heutigen Casnik ist der Aufruf zur Diskussion zu Änderungen der Satzungen des Domowina-Dachverbandes veröffentlicht. Er beinhaltet einerseits die Vorschläge, die der vom Bundesvorstand eingesetzte Satzungsausschuss erarbeitet hat, und anderseits den Standpunkt, den der Bundesvorstand der Domowina auf seiner nichtöffentlichen Klausursitzung am 12. Dezember 2008 in Hoyerswerda dazu bezogen hat. Jetzt sind alle Mitglieder und Vorstände, alle Vereinigungen, Regionalverbände und Ortsgruppen, die der Domowina angehören, aufgerufen, ihre Meinungen und Vorschläge in einer öffentlichen demokratischen Diskussion zu äußern. Natürlich können auch diejenigen, die bisher der Domowina noch nicht angehören, sich an dieser Aussprache in den nächsten Wochen beteiligen. Die Ergebnisse dieser Diskussion werden dann auf der diesjährigen Hauptversammlung der Domowina am 28. März in Crostwitz den Delegierten zur Diskussion und Abstimmung unterbreitet.
Der Satzungsausschuss, bestehend aus sechs Vertretern aus den verschiedensten Regionen der Lausitz, hat sich von September bis Dezember 2008 intensiv damit beschäftigt, die jetzt zur Diskussion stehenden Vorschläge zu erarbeiten. Dazu gab es Konsultationen und Gespräche mit den Vorsitzenden und Vertretern der fünf Regionalverbände und mehrerer überregionaler Verbände und Vereinigungen, deren Ideen in den Diskussionen im Ausschuss natürlich berücksichtigt wurden. Auch beschäftige sich der Ausschuss mit Satzungen anderer Minderheitenvereinigungen, z.B. der deutschen Minderheit in Dänemark und der dänischen in Deutschland.
Hauptziel des Ausschusses war es, die Satzungen so zu verändern, zu ergänzen und zu qualifizieren, dass die gesamte Tätigkeit der Domowina effektiver wird und den Anforderungen der heutigen Zeit und in Zukunft gerecht wird. Es geht darum, das Ansehen, das Prestige der Domowina und ihres Vorstandes, ihres Vorsitzenden und auch ihrer Verwaltung zu erhöhen, die Gemeinsamkeit und die Geschlossenheit aller Mitglieder, aller Verbände und Vereinigungen zu stärken und schließlich denjenigen die Türen zur Domowina zu öffnen, die bisher aus den verschiedensten Gründen noch nicht den Weg zu ihr gefunden haben.
Dabei sind sich die Mitglieder des Satzungsausschusses darin einig, dass sich die bisherige Struktur der Domowina als Dachverband, so wie sie 1912 gegründet wurde, als effektiv und nützlich erwiesen hat und daran im Prinzip nichts geändert werden muss. Auch die meisten nationalen Minderheiten und Volksgruppen in Europa arbeiten nach ähnlichen Strukturen. Notwendig ist es aber, das Verhältnis zwischen dem Dachverband und den dazu gehörenden Vereinigungen so zu gestalten, dass einerseits ein gemeinsames Auftreten und Handeln des Dachverbandes und anderseits die Selbständigkeit und die Gleichberechtigung der Mitgliedervereinigungen garantiert und praktiziert werden.
Um welche Vorschläge und Ideen, mit denen die Satzungen der Domowina verändert werden könnten, es sich handelt, können Sie dem heute veröffentlichten Aufruf zur öffentlichen Diskussion entnehmen. Die wesentlichen Punkte sind dabei die künftige Zusammensetzung des Bundesvorstandes (Abschnitt 3). Dabei wird vorgeschlagen, die Mitglieder dieses Gremiums bereits in den Regionalverbänden und Vereinigungen, die dem Dachverband angehören, zu wählen und dann von der Hauptversammlung bestätigen zu lassen. Damit soll die Verantwortung der Vorstandsmitglieder, im Bundesvorstand aktiv mitzuarbeiten, erhöht werden. Garantiert wird damit auch, dass alle Mitgliedsvereinigungen im Bundesvorstand vertreten sind. Der Bundesvorstand hat sich gegen dieses Delegierungsprinzip ausgesprochen, da die direkte Wahl auf der Hauptversammlung eine größere Legitimation garantierte.
Viel Diskussion gibt es auch zu einem weiteren Vorschlag (Abschnitt 4). Danach soll der Vorsitzende der Domowina in Zukunft in einer Wahlfunktion hauptamtlich die Domowina und gleichzeitig deren Verwaltung leiten. Der Ausschuss ist sich darin einig, dass diese Funktion als Vorsitzender und damit als Repräsentant der Domowina nicht mehr ehrenamtlich ausgeübt werden kann. Die umfangreichen Aufgaben erfordern eine ganztägige Tätigkeit. Natürlich muss dieser Vorschlag juristisch und organisatorisch gründlich geprüft und darauf geachtet werden, dass es nicht möglich sein wird, zusätzliche Stellen zu schaffen und zu finanzieren. Der Bundesvorstand der Domowina hat auf seiner Sitzung im Dezember in Hoyerswerda diesen Vorschlag nicht abgelehnt, ihn zur Kenntnis genommen und vorgeschlagen, sich mit ihm weiterzubeschäftigen.
Was den Status „eingetragener Verein“ (Abschnitt 1) betrifft, so soll den Domowina-Regionalverbänden empfohlen werden, diesen Schritt zu „e.V.“ zu überdenken und zu tun. Ausgangspunkt dabei sind die guten Erfahrungen, die der Domowina-Regionalverband (župa) Niederlausitz damit gemacht hat, u.a. mit den größeren Möglichkeiten für eine eigenständige Tätigkeit. Dieser Punkt ist aber als eine Empfehlung zu verstehen, über den die vier Regionalverbände in der Oberlausitz selbst entscheiden müssen.
Es gibt also genügend Stoff für eine umfassende und sachliche Diskussion zu eventuellen Veränderungen der Domowina-Satzungen und darüber hinaus zur zukünftigen Arbeit der Domowina. Beide vorliegenden Positionen – die des Satzungsausschusses und die des Bundesvorstandes – sind demokratisch erarbeitet worden und werden als solche auch gegenseitig respektiert. In diesem Sinne sollte auch die „öffentliche Diskussion“ dazu geführt werden. Überall dort, wo es möglich ist – besonders in den Gruppen, in den Vorständen, in den Vereinigungen und Institutionen. Bis Ende Januar erwartet der Ausschuss die Stellungnahmen. Wortmeldungen und Meinungen können auch bis zur Hauptversammlung am 28. März eingereicht werden.
H. Adam, Vertreter des Regionalverbandes Niederlausitz im Satzungsausschuss

