Wie der Wald zur Wiese wurde
Buchempfehlung: „Beiträge zur Wald-, Forst- und Landschaftsgeschichte Brandenburgs“ von Heinz-Dieter Krausch

Der Verlag Kessel aus dem rheinländischen Remagen, der sich unter anderem auf Forstwissenschaft und Waldökologie spezialisiert hat, hat vor kurzem ein bemerkenswertes Buch herausgegeben: eine Sammlung von Beiträgen zur Wald- und Vegetationsgeschichte Brandenburgs aus fünf Jahrzehnten von Dr. Heinz-Dieter Krausch aus Guben. Es sind Aufsätze, die der Autor im Verlauf seiner langen wissenschaftlichen Tätigkeit in verschiedenen Fachzeitschriften und Heimatkalendern veröffentlicht hat und die so verstreut dem interessierten Publikum bisher nur schwer zugänglich waren. Die Publikation verdient in besonderer Weise im Casnik erwähnt zu werden, denn mehr als die Hälfte aller Beiträge ist der Niederlausitz gewidmet, sieben beschäftigen sich sogar mit der Vegetationsgeschichte von Gebieten, die direkt vor unserer Haustür liegen – im Herzen der wendischen Lausitz. Dem naturkundlich interessierten Leser wird auf anschauliche Weise vor Augen geführt, wie die Urbarmachung der einstigen Wildnis durch die Bauern unsere Landschaft verändert hat. Dabei werden stets die sozialen, politischen und ökonomischen Zustände in den wendischen Dörfern im Blick behalten, die den Rückgang des Waldes bedingt haben.
Im Aufsatz Wälder und Wiesen im Spreewald in geschichtlicher Entwicklung beschreibt der Autor detailliert den Entwaldungsprozess auf dem Territorium des historischen Spreewaldes – vom Unterspreewald, über die Lübbener Gegend, Burg, Straupitz, Fehrow bis nach Peitz und Jänschwalde. Dabei wurden alte Karten so wie herrschaftliche und forstamtliche Akten ausgewertet, darunter Statistiken über die Zinseinnahmen und Mengen eingeschlagenen Holzes, die Aufschluss geben über den Umfang und Verlauf der Verwandlung des Waldes in Wiesen- und Ackerland. Es wird manchen sicherlich überraschen, dass weite Teile der Flußauen an der Spree und Malxe erst vor 200 Jahren gerodet und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt wurden.
Im Beitrag Die Heiden des Amtes Peitz widmet sich Krausch den ausgedehnten Waldungen nördlich von Peitz, die heute von monotonen Kieferbeständen beherrscht sind. Der Leser erfährt, wie die unterschiedlichen Formen von Waldnutzung – wie Holzeinschlag, Streunutzung, Waldweide, Eichelmast und Teerbrennerei – die natürliche Vegetation verändert haben. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Autor den sog. Tauerschen Eichen bei Teeröfen/Mazniki, in denen er das Relikt einstiger natürlicher Traubeneichenbestände erkennt. Ein weiterer Artikel erzählt die Geschichte der Teeröfen am Großsee und deren Einfluss auf die Waldzusammensetzung der Umgebung.
Ein sprachwissenschaftlich interessanter Beitrag trägt den Titel Waldbezeichnungen im Kreise Guben und seiner Umgebung. Darin wird unter anderem die Bedeutung der Begriffe Wald, Heide, Busch und Holz in der deutschen Umgangssprache der Niederlausitz angegeben und die Unterschiede zur deutschen Standardsprache ausgearbeitet. Der Leser erfährt beispielsweise, dass der Name Fichte hierzulande häufig für Kiefer steht, der Name Tanne für Fichte, was nicht ohne Bedeutung für die Interpretation von Flurnamen ist, wie z. B. Tannenwald/Škrjoki bei Drachhausen). Ein extra Kapitel ist den niedersorbischen Waldbezeichnungen gewidmet. Hier grenzt Krausch die Begriffe góla, lěs (lěso), błoto a gózd(a) und das nur noch in Ortsnamen anzutreffende bor gegeneinander ab. In einem weiteren Beitrag über den alten Tiergarten bei Altdöbern werden Forstortsnamen – darunter viele wendischen Ursprungs – zur Erklärung der Waldgeschichte herangezogen.
Einige Beiträge befassen sich sehr detailliert mit räumlich sehr begrenzten Bereichen, z. B. der Welsnitz, einem naturnahen Waldstück zwischen Saccasne und Byhleguhre. Hier erfährt der Leser unter anderem, wie das Ausbleiben der früheren periodischen Überflutungen sich auf die Vegetation ausgewirkt hat.
Besonders spannend ist der Artikel Aus der Geschichte des Jänschwälder Busches, der sehr eindrucksvoll zeigt, wie der einstige Erlen-Sumpfwald, welcher noch im 18. Jahrhundert einen Großteil der Malxe-Niederung zwischen Preilack bis Jänschwalde einnahm, im Laufe von nur 70 Jahren aufhörte zu existieren. Der interessierte Leser findet hierbei eine Erklärung, warum die Feldflur vor Jänschwalde von der wendischsprachigen Bevölkerung bis heute mit dem Namen Lěs bezeichnet wird.
Das Buch ist ein Muss für jeden Naturinteressierten, der Gefallen an der hiesigen Landschaft hat und erfahren möchte, wie sie zu dem wurde, was sie heute ist. Das von Dr. Heinz-Dieter Krausch gesammelte Wissen wird sehr nützlich sein bei naturkundlichen Exkursionen in wendischer Sprache, die vom Nowy Casnik und der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur regelmäßig organisiert werden.
Zum Autor
Heinz-Dieter Krausch, geb. 1928 in Guben – „das Urgestein brandenburgischer Naturforscher“, Vorsitzender der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde e. V., Mitbegründer und Mitglied des Floristischen Arbeitskreises der Niederlausitz, Autor von über 300 Publikationen verschiedener Disziplinen, vor allem der Botanik aber auch zur Geschichte der Kulturpflanzen, zum Naturschutz und zur Namenskunde.
G. Wieczorek

