„Der Ortskern muss auch entwässert werden“
Bürgerinitiative Wir die Bürger für Dissen lud zu Ortsbegehung ein

Beim Thema Hochwasser herrscht in der Gemeinde Dissen-Striesow keine Eintracht. Die Bürgerinitiative Wir, die Bürger für Dissen mit ihrem Sprecher Gerd-Uwe Szonn favorisiert eine andere Strategie als die Gemeindevertretung um Fred Kaiser. Vergangene Woche hatte die Bürgerinitiative zu einer Ortsbegehung eingeladen, um auf die Notwendigkeit eines funktionierenden innerörtlichen Grabensystems hinzuweisen. Teilnehmer waren Vertreter vom Landesumweltamt und des Wasser- und Bodenverbandes.
Dešno/Dissen. Erster Anlaufpunkt war die Problemkreuzung Hauptstraße/Döbbricker Straße, die zuletzt im Januar unter Wasser stand. Der straßenbegleitende Graben aus Richtung Sportplatz müsste rund 60 Meter bis zur Döbbricker Straße im Straßenkörper verrohrt werden, so Szonn, der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Über diesen Abfluss und durch die Döbbricker Straße könnte die Entwässerung in den dorfeigenen Graben zwischen den Grundstücken Batram und Jurisch münden und die Wassermengen in Richtung Spree transportieren. Szonn meinte, der Straßenmeister habe die Baumaßnahme für 2012 eingeplant und zugesagt. Dieser laut Liegenschaftskarte einstmals existente Graben, der am Grundstück Jurisch angrenzt, sei ebenfalls verlandet und müsse wieder hergerichtet werden.
Ramona Möbus vom Wasser- und Bodenverband erklärte, dass der Graben an der damaligen Hochwassersituation nichts geändert hätte. Szonn war anderer Meinung: Mit dieser Grabenverbindung könne man das Oberflächenwasser sofort um mehr als 40 cm in der Ebene und auf den angrenzenden Grundstücken senken.
Der Sprecher der Bürgerinitiative erinnerte sich an eine Gemeindevertretersitzung, wo der Amtsdirektor die Gemeinde ermuntert habe, einen Masterplan aufzustellen, um das alte Grabensystem wieder funktionstüchtig zu machen. Von einem Masterplan oder einer Prioritätenliste, die eine Beurteilung aller Gefahrenpunkte des Ortes beinhaltet, habe er bisher keine Kenntnis. Diese sei aber sehr vonnöten: Während einige Grundstücke an der Hauptstraße und Döbbricker Straße beim letzten Hochwasser unter Wasser standen, seien alle Gräben nördlich der Döbbricker Straße in Richtung Spree leer gewesen.
Szonn warnt, dass die Gefahr nicht gebannt sei und die Untätigkeit der Gemeinde im Ortskernbereich jederzeit schlimme Folgen haben könne. „Nur ein paar Liter mehr und wir hätten nach den Regenfällen der letzten Wochen wieder eine Überschwemmung.“ Die angefallenen Oberflächenwassermengen seien bereits wieder auf einem sehr hohen Stand gewesen. Viele Einwohner der Gemeinde hätten Wasser im Keller. Man müsse handeln.
Ralf Bittner vom Landesumweltamt entgegnete, dass die vorbereitenden Maßnahmen und Verfahren bis hin zur Beteiligung der Ämter Zeit bräuchten. Ein schlüssiges Gesamtkonzepts sei nötig, aus dem ersichtlich sein müsse, welche Wasserstände bei starken Niederschlägen zu erwarten seien, für welche Gräben es besonders kritisch und wo welches Wasser auf welchem Weg abzuführen sei. Und dann müsse unterschieden werden, was ist Straßenbau, was ist Gewässerbau, und in wessen Zuständigkeitsbereich das Vorhaben falle. Erst daraufhin könne ein Antrag zum Gewässerausbau gestellt werden. „Ob dann der Wasser- und Bodenverband die Maßnahme in eigenständiger Regie führen kann, ist eine ganz andere Frage“, so Bittner. Dem Sprecher der Bürgerinitiative gab er den Rat, die Gemeindevertreter für seine Ziele zu gewinnen. Denn letztendlich entschieden sie, welcher Weg eingeschlagen werde.
Den Vorwurf der Untätigkeit will der Bürgermeister Fred Kaiser nicht auf sich sitzen lassen. Das Thema Hochwasser stehe bei jeder Gemeindevertretersitzung auf der Tagesordnung, erklärte er gegenüber dem Casnik. Durch eine provisorische Maßnahme sei das Problem in der Döbbricker Straße bereits entschärft. Um das Problem langfristig und endgültig zu lösen, habe man sehr wohl einen Maßnahmenkatalog beschlossen und eine Prioritätenliste erstellt. Die Grundlage hierfür sei eine Studie, die ein erfahrenes Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde angefertigt habe. Die Bürgerinitiative wolle dies jedoch nicht zur Kenntnis nehmen, beklagt der Bürgermeister.
Um das innerörtliche Grabensystem im Sinne der Bürgerinitiative wieder funktionsfähig zu machen, wäre eine Durchörterung der Döbbricker Straße nötig, führt Kaiser weiter aus. Dies sei eine sehr kostspielige Maßnahme, für die die Gemeinde zur Zeit keine Gelder habe. Außerdem ließen sich nur die Sachen zu Ende bringen, die im vorigen Jahr begonnen worden seien. Ein Planverfahren könne erst in Auftrag gegeben werden, wenn der Haushaltsplan 2011 beschlossen sei.
Die Gemeinde verfolgt jedoch eine andere Strategie. Man wolle das äußere alte Grabensystem parallel zu den Ackerflächen wieder funktionstüchtig machen. Die Gräben sollten das Wasser auffangen, bevor es ins Dorf fließe, so der Bürgermeister.
Szonn unterstützt die Entwässerung im äußeren Bereich, hält sie jedoch für ungenügend. Er will auf keinen Fall auf das innerörtliche Grabensystem verzichten und wirft der Gemeinde vor, eine Lösung des Problems zu erschweren: Sie habe vor kurzem den wichtigen Graben bei Jurisch mit dem Museumsparkplatz überbaut. Er habe hierzu beim Amt Burg einen Einspruch eingelegt.
A. D.

