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17.02.2009 (numer 7/2009)
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Berührungspunkte zu wendischen Christen

Standpunkte der Generalsuperintendentin des Kirchsprengels Cottbus Heilgard Asmus (1. Teil)

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Zum Thema bischhöfliches Amt – ein Amt der Einheit, sorbische/wendische Berührungspunkte und Förderverein für wendische Sprache in der Kirche, äußerte sich die Generalsuperintendentin des Kirchsprengels Cottbus Heilgard Asmus in einem Interview, das Adel­heid Daume mit Ihr führte. Zum Kirch­sprengel Cottbus gehören mehr als 400 Kirchgemeinden und noch viel mehr Kirchen.

Den zweiten Teil dieses Interviews können Sie in der nächsten Ausgabe des Nowy Casnik lesen. Dabei geht es um Themen wie: Pro und contra Kohle, umweltschonde Energiegewinnung und um die Gefahr durch Extremismus von rechts.

Nowy Casnik: Frau Asmus, wie wird man eigentlich Generalsu­perinten­den­tin?
Heilgard Asmus: Dieses bischöfliche Amt wird nicht über eine Stellenausschreibung besetzt. Eine Vorschlagskommission, der der Bi­schof vor­sitzt, überlegt sich genau, was prägt den Spren­gel, was stehen dort für Aufga­ben an und welche Person kann dieses geist­­liche Amt in guter Weise ausüben. Die Kan­­didaten werden umfassend befragt. Wenn die Vorschlagskommission dann Kan­­­di­daten zur Wahl präsentieren will, fragt der Bi­schof diese, ob sie die Kan­­di­­­­datur an­nehmen wollen. Bis dahin sind es er­­geb­nis­­offene Ge­spräche. In meinem Fall wa­­ren es erstmals in der Ge­schich­­te zwei Frauen, die die Vor­schlags­­­kom­mis­sion als Kan­didaten zur Wahl ge­stellt hat.
Sie wurden mit deutlicher Mehr­­­­h­eit gewählt.
Ja, das war im Juni 2004. Meinen Dienst in Cottbus habe ich jedoch erst am 1. Januar 2005 angetreten, um das Fortbildungsjahr abschließen zu können.

Wie wollten Sie Ihr zukünftiges Amt ausüben?
Von Anfang an habe ich die Vorstellung gehabt, dass dieses Amt ein Amt der Einheit in dreifacher Beziehung ist. Ich möchte helfen, 1. eine Einheit zu wahren zwischen Landeskirche und Gemeinden. Das bedeutet, die Sorgen der Gemeinden in der Kirchenleitung hörbar machen. Auf der anderen Seite geht es mir auch da­rum, die Beschlüsse der Synode oder der Kirchenleitung in die Kirchenkreise hineinzuvermitteln. Das Amt der Einheit sehe ich 2. auch im Verkündigungsauftrag. Dazu wollte ich gern eine Wanderpredigerin sein, in einem Sprengel mit mehr als 400 Gemeinden und noch viel mehr Kirchen.
Und ich wollte 3. Seelsorgerin sein ohne Unterschiede zu machen zwischen ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden im Sprengel, Gemeindegliedern oder Men­schen, die der Seelsorge bedürfen ohne Kirchenmitglieder zu sein. Und von allen dem erfüllt sich auch etwas.

Reden sie von Gott zu Menschen, die nicht an Gott glauben?
Ja, ich kann von meinem Glauben an Gott erzählen, da bin ich sehr authentisch. Mein Gegenüber hat das Recht, mich als Christin wahrzunehmen. Das ist wie eine Würdigung des Anderen.
Unter der wendischen Bevölkerung gibt es viele Christen. Welche Be­rüh­rungspunkte haben Sie zu Wen­den?
Kontakte zur Arbeitsgruppe „Wendischer Gottesdienst“ und zum Förderverein für wendische Sprache in der Kirche gehören dazu. Beide Gruppen tagen auch in der Generalsuperintendentur. Das ist aber nur ein kleiner Berührungspunkt, weil ich ja nicht Mitglied dieser Gruppen bin. Es ergeben sich immer wieder kurze Gespräche zu Anliegen der Gruppen.
Stärker sind die Berührungspunkte in den Gottesdiensten in Burg, Jänschwalde, in Neu Horno oder anlässlich der Ein­weihung des Denkmals für Fabricius in Kahren. Natürlich habe ich mich mit dem Leben und Wirken dieser bedeutenden wendischen Persönlichkeit befasst. In der Regel predige ich sonntags in zwei Gottesdiensten. Und manchmal liegen 100 km zwischen den Orten.
Es gibt einen weiteren Berührungspunkt zum Wendischen hin. So bin ich um Vor­wörter für Veröffentlichungen in sorbischer/wendischer Sprache gebeten worden, u. a. auch zu dem neuen Predigtband „Prjatkowanja“ von Herbert Noack.
Um Vorworte für wendische/sorbische Publikationen schreiben zu kön­nen, muss man entsprechendes Hin­ter­­grund­wissen besitzen. Inwie­weit haben Sie sich mit wendischer Ge­schichte befasst?
Ich habe mich intensiv mit wendischer Vergangenheit beschäftigt. Ich weiß, wie die evangelische Kirche agiert hat in den zurückliegenden Jahrzehnten und darüber hinaus. Und wie sie eben nicht agiert hat.

Welche Konsequenzen haben Sie da­raus gezogen?
Meinen Standpunkt dazu habe ich öffentlich gemacht. Das kann man nachlesen. Ich habe mich in Neu Horno für die Haltung unserer Kirche entschuldigt. Ich habe in einem wendischen Gottesdienst in Kahren und in diesem Vorwort zum o. g. Buch festgestellt, dass wir als Kirche insgesamt Schuld auf uns geladen haben, in dem wir geschwiegen haben. Dass unsere Kirche versäumt hat, die sorbische Sprache hoch zu achten und damit auch die Kultur und die Menschen, die diese Kultur tragen.

Die Stelle des Dissener Pfarrers wird zu 25 % vom Förderverein für wendische Sprache in der Kirche getragen, damit dieser als wendischer Pfarrer und Seelsorger überregional in der Niederlausitz tätig sein kann. Die Fi­nan­zierung für 2009 ist zwar gesichert, aber wie soll es dann weitergehen? Von Seiten der EKBO erhielt der Verein bisher keine Unterstützung.
Selbstverständlich reichen 25% Pfarr­stellenanteil für Menschen, die die sorbische/wendische Tradition tragen, nicht aus. Das kann ich gar nicht schönreden. Ich will aber einen anderen Gedanken dazufügen: Sorben/Wenden sind Christen, wie andere Christen auch. Es gibt einen Pfarrer für Menschen, die in der wendischen Sprache groß geworden sind und glei­cher­maßen für Menschen, die diese Spra­che nicht sprechen. Was gibt es Besseres als das Verständnis: Wir trennen die Menschen nicht in Grup­pen.
Aber Dissen ist nur eine von vielen Ge­meinden, wo noch wendisch gesprochen wird. Sollten die dortigen Pfarrer Ihrer Meinung nach die wendische Sprache erlernen?
Das wäre wunderbar, wenn in der Nieder­lausitz, wo viele Sorben/Wenden leben, die Pfarrer zweisprachig Seelsorge ausüben könnten.

Zurück zum Thema Finanzierung eines Pfarrstellenanteils durch einen Verein.
Dazu möchte ich als ein Beispiel die Krankenseelsorger nennen. Die werden im Land Brandenburg zu vielen Prozenten über die Krankenhäuser mitfinanziert. Das ist eine ähnliche Konstellation wie beim Pfarrer Schütt in Dissen, der zu einem Viertel seiner Pfarrstelle Spezial­seelsorger ist. Krankenseelsorger sind ebenso Spezialseelsorger. Die Kirche aber hat nicht mehr ausreichend Geld, diese komplett zu finanzieren. Deshalb beteiligen sich die Krankenhäuser an der Finanzierung des Gehaltes. Die Pflege wendischer Sprache in der Kirche und Seelsorge an wendischen Christen finanziert ein Förderverein.

Finden Sie das richtig, dass ein För­derverein dafür das Gehalt aufbringt?
Unter dem eben genannten Aspekt erscheint es mir richtig. Trotzdem bedauere ich, dass für diese Spezialseelsorge-Aufgabe an Sorben/Wenden nur 25 % zur Verfügung stehen. Das ist zu wenig.

Wie sollte dann die Finanzierung einer halben Stelle aussehen?
Gemeinden müssen mit ihren Personal­kosten für sich selbst sorgen oder der Kirchenkreis verteilt nach dem Solidar­prinzip. Die Kirchenkreise haben die Aufgabe, Pfarrstellen so zu sortieren, dass möglichst viel der anstehenden Aufgaben von den Pfarrerinnen und Pfarrern gut geleistet werden können.
Die Landeskirche hat 1997 Spezial­stellen massiv gestrichen. Überall in Bran­denburg und Berlin. Ich sehe nicht, dass alle Spezialstellen wieder eingerichtet werden können. Die Finanzen sind einfach nicht da. So müssen wir vor Ort weitere Möglichkeiten einer Kofinanzierung finden über Spenden, Projektmittel oder Stiftungen.

Frau Asmus, wäre es nicht ein Akt der Wiedergutmachung, wenn die EKBO eine wendische Pfarrstelle einrichten und finanzieren würde?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Akt der Wiedergutmachung durch Errichtung einer Pfarrstelle gelingt. Es wäre wohl ein Zeichen, doch Kränkungen und Verlet­zungen wären damit nicht einfach aufgehoben. Ich habe einen ganz anderen Wunsch. Ich hoffe nach wie vor, dass es in den sorbisch/wendisch sprechenden Gebieten viel stärker gelingt, junge wendisch sprechende Menschen für das Theologiestudium zu begeistern. Und ich bin mir ganz sicher, wenn sie nach dem Theologiestudium in den Pfarrdienst übernommen werden, würden sie in den zweisprachigen Gemeinden eingesetzt werden. Aber es gibt keine Interessenten für das Theologiestudium aus diesen Ge­bieten. Das ist das eigentliche Drama.

Mittwoch vor 3 Wochen hatten Sie ein Gespräch mit dem neuen Vorsit­zen­den des Fördervereins für wendische Sprache in der Kirche, Uwe Gut­schmidt. Worum ging es dabei?
Wir haben uns unter anderem über mögliche neue Projekte ausgetauscht, die zwischen sorbischen/wendischen Vereinen und evangelischen Kitas und Schulen stattfinden könnten. Natürlich haben auch Finanzen und Mitgliedschaften im Verein eine Rolle gespielt.

KURZBIOGRAPHIE

– Heilgard Asmus stammt aus einer evangelischen Pfarrersfamilie.
– Trotz guter Zensuren durfte sie nicht auf die EOS. Sie machte Abi mit Berufsausbildung zur Fachverkäuferin in Frankfurt/Oder.
– Ihr Traum war es, Geschichte zu studieren. Da das Geschichtsstudium auf den Universitäten die alte Geschichte eher wenig behandelte, studierte sie Theologie in Jena.
– Vikariat in Brandenburg an der Havel in einem Neubaugebiet mit 20.000 Menschen und darüber hinaus zuständig für ein älteres Wohngebiet. Nach zweieinhalb Jahren Vikariatszeit 2. theologisches Examen.
– Probezeit von 3 Jahren, die heute Entsendungszeit heißt, in Brandenburg/Havel.
– 12 Jahre Gemeindepfarrerin, kurze Zeit zusätzlich Kreisjugendpfarrerin in Vakanzvertretung und Klinikseel­sorgerin in Brandenburg.
– Fast 6 Jahre leitete Heilgard Asmus das Pastoralkolleg, die Fortbildungs­einrichtung für Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirche.
– Heilgard Asmus ist Mutter von drei Kindern. Ihr Ehemann ist praktizierender Psychologe.
– Am 15. Januar 2005 wurde Heilgard Asmus auf einem Gottesdienst in der Oberkirche zu Cottbus in ihr Amt als Generalsuperintendentin des Kirch­spren­gels Cottbus offiziell eingeführt.

A. D.

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