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10.02.2009 (numer 6/2009)
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Kenner und Freund der Sorben

Karl Fisher ist seit Februar wieder im Potsdamer Bildungsministerium

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Im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Potsdam trägt ein neuer Mitar­beiter einen bekannten Namen: Karl Fisher. Der 63jährige war bereits seit 1992 im Bildungsministerium ein wich­ti­ger Mit­gestalter der sorbischen Bildungs­land­schaft. Nach 11jähriger Dienstzeit wollte er wieder mit Schülern zu tun haben, und gründete in Neuzelle ein freies Gymnasium, das sich besonders der deutsch-polnischen Aussöhnung verschrie­ben hat. Gesundheitliche Gründe ließen ihn wieder ins Ministerium wechseln. Mit Karl Fisher sprach Ines Neumann.

Nowy Casnik: Herr Fisher, welches sind Ihre Lebensstationen?
Karl Fisher: Meine Familie stammte aus Schlesien, ich wurde 1945 auf der Flucht geboren. Wir wohnten dann in Hannover, ich zog mit 15 Jahren nach Hamburg, wo ich eine kaufmännische Ausbildung und mein Abitur machte. In Hamburg lebte ich insgesamt 30 Jahre, studierte, gründete eine Familie, arbeitete als Lehrer und Schulleitungsmitglied.

Wie kamen Sie nach Brandenburg?
Die altlutherische Familie meiner Mutter stammte ursprünglich aus den Masuren und war dann nach Schlesien gezogen. Dadurch war auch mein Interesse immer schon „nach Osten“ ausgerichtet, und auch die Sorben haben mich bereits damals interessiert. Ich war schon immer der Meinung, dass Minderheiten unterstützt werden müssen.
1990 waren das Ziel meiner ersten Reise in die „offene“ DDR nach der Wen­de der Spreewald und Bautzen. Ich wollte vor Ort selbst herausfinden, wie die Situation der Sorben/Wenden ist.
In dieser Zeit wollte ich mich neu orien­tieren und hatte mich daher im Bran­denburger Bildungsministerium beworben. Ich hatte Glück und bekam eine Stelle im Grundsatzreferat.

Und waren dort für die Sorben zuständig?
Im Grundsatzreferat war ich für internationale Kontakte und das Europareferat verantwortlich. Ich war dort auch zuständig für die Angelegenheiten der sorbischen/wendischen Minderheit, war Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung für das sorbische Volk und habe regelmäßig an den Sitzungen des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten teilgenommen.
In dieser Zeit habe ich relativ intensiv Polnisch gelernt, denn ich war auch Polenreferent. Auch einige Sorbischkurse habe ich besucht, und verstehe Nieder­sorbisch/Wendisch ganz gut, kann es aber wenig sprechen. Später bin ich nach Cottbus gezogen, weil ich dort meine neue Lebenspartnerin kennengelernt hat­te. Ich werde mich demnächst wieder ver­stärkt mit der sorbischen/wendischen Spra­che beschäftigen, das habe ich mir vor­genommen.

Was haben Sie im Bildungsministerium bewirkt?
Ich war zuständig für die Fachaufsicht der Arbeitsstelle Bildungsentwicklung Cottbus (ABC). Gemeinsam mit dem damaligen Leiter Herrn Jannasch wurde die kleine Rechtschreibreform mit dem ó und dem w verabschiedet. Auch die Erarbeitung sorbischer Lehrmaterialien war eine wichtige Aufgabe während meiner Fachaufsicht.
Sehr eingebunden war ich in die Di­s­kussion um das neue Internat und das Erweiterungsstudium in Potsdam. Beides wurde vom Stiftungsrat positiv beschlossen, das war nicht einfach durchzusetzen, da das dafür verwendete Geld an anderer Stelle nicht eingesetzt werden konnte. Ich denke im Nachhinein, dass sich beide Entscheidungen positiv bewährt haben. Viele der Absolventen der zwei Durchgänge des Erweiterungsstudiums wirken heute positiv im sorbischen Bereich, und das Internat ist eine wichtige Errungen­schaft, um die sorbische/wendische Bildung abzusichern.
Von der Seite meines Referates habe ich den Haushalt, die Trägerschaft und Struktur des Niedersorbischen Gym­nasiums mitgestaltet. Auch ab wieviel Schülern Sorbischunterricht gehalten werden kann, wurde damals geklärt.
Die Verordnung über die sorbischen/wendischen Bildungsangelegenheiten wurde von mir erarbeitet. Sie enthält den Passus, dass Lehrer am Nieder­sor­bi­schen Gymnasium nach drei Jahren Sorbisch sprechen sollen. Auch der Ober­­schulzweig, der heute noch diskutiert wird, war bereits zu meiner Zeit im Ge­spräch. Ebenfalls der Einsatz und die Umset­zung von Sorbischlehrkräften spielte schon damals eine Rolle. Dass in der Uni Leipzig in der Sorabistik der niedersorbi­sche Zweig eingeführt wurde, auch dafür habe ich mich eingesetzt. Kurz war ich im Bund-Länder-Ausschuss für das Auslandsschulwesen zuständig, was jetzt wieder zu meinen Aufgaben gehört.

Sie haben das Gymnasium im Stift Neuzelle aufgebaut. Welches Profil haben Sie ihm verliehen?
Die Versöhnung zwischen jungen Polen und Deutschen stand im Mittelpunkt. Es gibt dort deutsche und polnische Schüler, die im Internat wohnen.
Ich bin der grundsätzlichen Überzeu­gung, dass man Schüler freundlich und respektvoll behandeln soll. Wenn sie Wünsche haben, sollten die Schüler damit ernst genommen werden, auch wenn nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann. In dem Gymnasium herrscht heute eine offene und freundliche Atmosphäre, gleichzeitig ist es sehr erfolgreich in Leistungsfragen, weil die Schüler in solch einer Atmosphäre besser lernen.
Es ist organisiert wie jedes andere Gymnasium, hat aber zusätzlich eine internationale und musische Ausrichtung. Es werden mehr Sprachen, insgesamt acht, gelehrt. Sorbisch wollte ich auch gern anbieten, wir hatten aber keine Lehrkraft dafür. Jetzt gibt es eine entsprechende Bewerbung, so dass es demnächst vielleicht gelingen kann. Auch die Lehrer sind unterschiedlicher Nationalitäten, natürlich Polen, aber auch eine Weißrussin, ein Russe, ein Franzose, ein Kubaner, eine Ungarin und ein Araber gehören dazu. Im Lehrerzimmer wird viel Polnisch gesprochen. Alle Lehrkräfte lernen Polnisch.
Am Gymnasium in Neuzelle sind auch Schüler aus Atterwasch, Grabko und Kerkwitz. Deswegen wurde der Braun­kohlenbergbau an der Schule intensiv diskutiert. Die meisten Schüler aus diesen Dörfern hätten natürlich gern, dass ihre Orte erhalten bleiben.

Wie ist das Gymnasium in Neuzelle organisiert?
Das Rahn-Gymnasium im Stift Neuzelle ist eine gemeinnützige freie Schule. Der Träger hat 20 Schulen, eine davon in Zielona Góra. Der Staat zahlt 93% der Lehrergehälter, und die Familien zahlen 98 € Schulgeld im Monat. Falls sie das nicht können, gibt es Ermäßigungen bis zu vollen Stipendien. In Brandenburg darf keine private Schule aus finanziellen Gründen einen Bewerber ablehnen, das ist grundsätzlich so geregelt.

Werden Sie sich im Ministerium wieder um die sorbischen Angelegenheiten kümmern?
Ich bin ab der vergangenen Woche wieder im Bildungsministerium, und bin dem Abteilungsleiter in der Schulaufsicht zugeordnet. Im Bund-Länder-Ausschuss für das Auslandsschulwesen werde ich ab Mai für Mittel- und Osteuropa zuständig sein. Weitere Aufgaben im Bereich der Schulaufsicht sind im Gespräch, aber noch nicht geklärt.

Mějśo wutšobny źěk za to rozgrono!

I. N.

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