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19.01.2010 (numer 3/2010)
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Sagen des Johann Hantscho-Hano

Mit dem gleichnamigen Buch erschien ein Bestseller der Heimatliteratur

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Schleife/Slěpe. Karsten Noack (45), Mit­glied des Sorbischen Folklore­ensembles Schleife, hat nach einem Jahr Fleißarbeit ein Buch auf den Markt gebracht, welches wohl als Bestseller der Schleifer Heimatliteratur seit der Wende von 1989/90 bezeichnet werden darf.

Es enthält im Hauptteil 150 wendische Sagen, ergänzt durch weitere Hintergrundinformationen. Die Sagen stammen aus der Sammlung von Johann Hantscho-Hano (1846 bis 1901). Er war der Urgroßvater des Altbürgermeisters Helmut Hantscho. Der Urenkel führt akribisch die Familienchronik und schreibt im Vorwort des Buches: „In den 1950er Jahren hielt ich zum ersten Mal das „Sagenbuch des Kreises Rothenburg“ in den Händen, in dem einige Sagen mit Hantscho unterschrieben waren. Ich erfuhr, dass es sich bei diesem Autor um meinen Urgroßvater handelte. Nun war mein Interesse geweckt und ich machte mich auf die Suche nach dem „Wendischen Volkstum“ von Schulenburg. Als ich es 1972 als Leihexemplar erhalten und gelesen hatte, erfuhr ich, dass Wilibald von Schulenburg die gesammelten Wer­ke meines Urgroßvaters in den „Nieder­lau­sitzer Mitteilungen“ veröffentlicht hat.

Über die Fernleihe habe ich mir dann die angegebenen Jahrgänge schicken lassen und alle Sagen von Johann Hantscho-Hano abgeschrieben. Sie sind in volkstümlicher Erzählweise gehalten. Seit der ersten Veröffentlichung der Sagen sind über 100 Jahre vergangen und die Region, in der sie handeln, ist teilweise akut durch den Abbau der Braunkohle bedroht. So ist es für mich eine Freude und auch eine Genugtuung, dass dem Urgroßvater diese späte Ehrung durch die Veröffentlichung seiner gesammelten Sagen im Buchformat widerfährt“.

Karsten Noack hat ein Jahr benötigt, bis das Buch in den Druck gehen konnte. Aus ursprünglichen 30 bekannten Schleifer Sagen wurden im Jahreslauf 150, die gefunden werden konnten. Wilibald von Schulenburg (1847 bis 1934) hatte sie, wie schon erwähnt, in den „Niederlausitzer Mitteilungen“ ver­öffent­licht. Die ersten 40 sind aus den Jahren ab 1894, alle anderen Hant­scho-Sagen erschienen nach 1918.

Urenkel Helmut Hantscho fand sie allesamt bereits zu DDR-Zeiten 1972 wieder in der Universitätsbibliothek Tübingen, in der es auch eine Abteilung Sorabistik gibt. Von Schulenburg war ein Freund des Johann Hantscho–Hano und beschrieb dessen Leben. Der wendische Pfarrer Gotthold Schwela hat diese Lebensbeschreibung ins Wendische übersetzt und Karsten Noack hat sie 2009 ins Deutsche zurückübersetzt.

Neben den 150 wendischen Sagen, die den Hauptteil des Buches ausfül­len, schließt sich im Anhang ein Rück­­blick auf das Leben von Johann Hant­scho-Hano an. Dieses ist nach mehr als einem Jahrhundert in so bewegter Weise dargestellt, wie wir es nur selten aus so langer zurückliegender Zeit kennen. Helmut Hantscho, der Familien­chronist, hat es der Nachwelt bewahrt. Sein Urgroßvater, der ein wendischer Schleifer Bauer war, diente im 1. König­lichen Ulanenregiment Pots­dam. Seine Kriegserlebnisse aus dem Deutsch-Fran­zösischen Krieg von 1870/71 hat er in Briefen an die Familie weitergegeben. Er kam gesund von der Front zurück. Die erschütternden Briefe aus diesem Kriegserleben sind in dem Buch authenthisch nachgedruckt, im handschriftlichen Original wie auch in der Wiedergabe. Sie zeigen, wie grausam dieser Krieg Deutschlands gegen Fran­kreich gewesen ist.

Der Name Hano, wo kam der denn eigentlich her? Diese Frage beantwortete Helmut Hantscho: „Es gab vor 1800 in Schleife etwa 40 Grundstücke, die alle einen wendischen Namen besaßen. Die Grundstücksnamen waren zugleich die Namen ihrer Besitzer. Um 1800 kamen dann die Familiennamen auf und aus ihnen wurden zunächst Doppelnamen, so wie in unserer Familie eben Hantscho-Hano“.

Wilibald von Schulenburg lernte Johann Hantscho-Hano 1880 kennen. Von Schulenburg studierte das Wen­den­tum im Spreewald und in Schleife. Die Resultate seiner For­schun­gen ver­öffent­lichte er in verschiedenen Publi­kationen. Johann Hantscho-Hano wurde für ihn unentbehrlich, auch weil er der Tier- und Pflanzenwelt seiner Heimat wendische Namen gab und die Natur genau beobachtete. Helmut Hantscho sagt dazu heute: „Es ist mehr wie erstaunlich, welche Pflanzen- und Naturwelt es vor über 100 Jahren in Schleife gegeben hat“.

Das umfassende Fleißwerk von Kar­sten Noack kann nur bewerten, wer das Buch selbst in den Händen hält. Der Schleifer Bürgermeister Reinhard Bork zeigte sich überzeugt, dass es ein großes Leserecho finden wird.

SERVICE
„Die Sagen des Johann Hantscho-Hano“ können Sie in allen Heron-Buchhandlungen, im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, beim Sor­bischen Folkloreensemble Schleife und bei Helmut Hantscho in Schleife, Friedensstraße 40, erwerben.

J. Schm.

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